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„The History Show“ im Hamburger Kunstverein (2017)

"Ein Interview"

-Wie entstand die Idee zum Bau des Archipels?
In einem Shebeen in Soweto entstand die Idee ein Projekt in Hamburg zu realisieren, an dem wir* länger teilnehmen können, als die in der Praxis der Klasse sonst üblichen zwei-drei Monate. Es war ein Gespräch unter FreundInnen. Wieder in Hamburg machten wir uns auf die Suche nach Raum und entschieden ob der Mietpreise an Land etwas schwimmendes zu bauen. Die Wasserflächen in dieser überregulierten Stadt schienen zunächst bespielbarer Raum zu sein, zudem reizte uns das Bild einer schwimmenden Insel als Ort.

Das Archipel sollte erst mal nicht mehr sein als ein Versuchsfeld, an dem, mit dem und durch den sich ein offenes Kollektiv formt. Uns schienen die rechteckigen Stahlpontons, die bald die Grundfläche des Archipels bildeten, ideal. Die Quader können in unterschiedlicher Weise verbunden werden, so kann sich der Grundriss je nach den Bedürfnissen an den Raum ändern. Der Ort sollte keinen vorgegebenen Zweck erfüllen, kein kuratorisches Konzept haben. Es sollten sich Menschen zusammentun, die den Raum zusammen gestalten und einen Zweck dafür entwickeln.
Beim Machen wollten wir Antworten auf Fragen finden wie: Welche Form der Organisation ist geeignet, um einen Raum zu schaffen und zu bespielen, der alles sein kann aber nichts sein muss? Wer will eigentlich Räume die anders funktionieren?
Hamburg präsentiert sich den tausenden Touristen die jeden Tag durch seine Straßen ziehen. Die Stadt baut sich für eine hypothetische Bevölkerung von Besuchern, nicht für die die dort wohnen. Wie kreieren wir Bilder eines Gegenentwurfs?

-Was macht den Veringkanal und insbesondere die Elbinsel Wilhelmsburg zum idealen Heimathafen des Archipels?
Das erste euphorische-naive Bild von Hamburgs Gewässern als riesige zu bespielenden Freifläche trübte schnell. Die Gewässer um den Hafen sind unter der Schirmherrschaft der Hamburg Port Authority (HPA) welche nur hafenwirtschaftliche Nutzungen auf den Wasserflächen zulässt – Kunstprojekte fallen selbstredend nicht in diese Kategorie. Der Veringkanal ist genossenschaftlich verwaltet und unterliegt damit nicht der Verwaltung der HPA, wir konnten die Genehmigung bekommen dort einen langfristigen Liegeplatz sicher zu haben.
Potenziell kann das Archipel in jeden Kanal und sich somit an unterschiedliche Viertel andocken. Zu beginn erschien es uns Sinnvoll in einer Umgebung zu sein die schon Belebt ist. Dadurch konnten wir zufällig Vorbeikommende auf einen Tee einladen oder kurz um Hilfe fragen um irgendetwas auf die Plattform zu tragen und so Menschen einladen sich zu beteiligen, die nicht schon vorher unserem Netzwerk angehörten. Im Frühjahr 2017 wird das Archipel den Veringkanal für einige Zeit verlassen.

Der Veringkanal liegt im Zentrum von Wilhelmsburgs Reiherstiegviertel. Dieser Standort ist ein wichtiger Umschlagplatz für diverse kulturelle Praktiken. Er bietet einer Vielzahl an Menschen die Möglichkeit kurz zu verweilen, zuzuschauen- und zuhören oder sich aktiv mit einzubringen. In Zeiten von zunehmendem Misstrauen und der Abschottung gegenüber dem Anderen kann das Archipel Situationen ermöglichen die Brücken schlagen, Gespräche und diskursiven Austausch fördern. Aber die Insel ist nicht an einen Ort gebunden, sie kann sich mit unterschiedlichen Gegebenheiten auseinandersetzen.

-Wie war und ist die Resonanz auf das Archipel im Reiherstiegviertel und generell in Hamburg seit dessen Eröffnung im Sommer 2015?
Divers. Menschen die den Ort kennen spiegeln uns, dass sie seine Qualitäten schätzen. Er ist beispielsweise sehr offen, einsehbar vom Land und eignet sich darum als Bühne, gleichzeitig kann auf der Insel eine intime Atmosphäre herrschen. Der Raum wird sehr unterschiedlich genutzt: Sowohl von Kunst- und Theaterschaffenden und Musikern als auch von Nachbarn z.B. für Kinoabende, zum Abhängen und Kiffen, zum Angeln und Diskutieren und um auf dem Wasser zu verweilen.
In einem Artikel in der ZEIT wurde gefragt ob Das Archipel und anderen schwimmenden Projekten nun die „gentrifizierung des Wassers“ einleiten. Wir leben in einer Stadt, in der jede Freebox, jedes Zeichen von kultureller Diversität, jedes Zeichen von Solidarität innerhalb einer Nachbarschaft als Standortfaktor vermarktet werden kann.

-Was macht das Archipel „politisch“?
Auf lokaler Ebene ist Das Archipel der Versuch von Raumnahme. Städte sollen für die Menschen gemacht sein die in ihnen leben. Das Archipel schafft einen Raum auf den Gewässern der Stadt und ermöglicht so jeder und jedem der möchte Zugang.
Das Archipel ist Common, also Allgemeingut. Beziehungen bilden sich um die Insel. Entscheidungen auf und über den Raum werden gemeinschaftlich getroffen. Die Insel ist als autonomer und unhierarchischer Ort ein Versuchsfeld dafür wie wir politische Entscheidung über unsere Umgebung und unser Zusammenleben treffen wollen.

-Was ist für 2017 geplant und wie steht es um die Zukunft des Archipels?

Alles was Sie planen möchten. Das Archipel beideutet immer eine offene Einladung zur (Re)interpretierung und Bespieglung des Raums. Über den Sommer ist Das Archipel Teil eines größeren Versuchs den Baarkenhafen in der Hamburger Hafencity für alternative Nutzungen zu öffnen.
Die Zukunft des Archipels ist ungewiss. Es besteht, solange es Menschen gibt, die sich verantwortlich fühlen und den Raum nutzen wollen.


"Politics and Love"

Kunstverein in Hamburg. 28.1.2017 – 2.4.2017
Einem Manifest ähnlich proklamieren wir mit Politics and Love die Liebe für das Gegenüber als Grundlage eines politischen Konzepts.






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