Jagongan Archipel

Das Wirtschaftssystem, das uns umgibt, formt unser tägliches Leben. Ob wir direkt für Geld arbeiten, oder indirekt, durch reproduktive Arbeit, sind wir Teil eines größeren Ganzen.

 

Wir glauben, dass sich die Werte die unser ökonomisches System produziert, welche sich auf Hierarchien, Wettbewerb, Effizienz, und Profitmaximierung stützen, direkt in die sozialen Räume die wir einnehmen übertragen. In diesen sozialen Räumen bilden wir unsere Identitäten. Es wird common sense, die allesumgebenden individualistischen Werte zu leben und zu reproduzieren, und Wünsche und Bedürfnisse innerhalb und außerhalb der eigenen Gemeinschaft zu vernachlässigen.

 

In Yogyakarta haben wir einen Gemeinschaftssinn erfahren wie wir ihn vorher nicht kannten. Wir fragten uns: Funktionieren Arbeit und Arbeitslosigkeit, soziale Einbeziehung und Ausgrenzung und die Mechanismen von Wertebildung und Identitätsstiftung hier anders? Bietet der starke Gemeinschaftssinn eine Alternative zu den inhärenten Ausgrenzungsmechanismen unseres ökonomischen Systems? Oder erhält der starke Gemeinschafssinn in Yogyakarta eine spezielle Form dieses Systems aufrecht? Wie produziert Arbeit hier Identitäten? Wie produzieren Gemeinschaften individuelle Identitäten? Sind Gemeinschaftssinn und Individualismus in Yogyakarta in Konflikt miteinander?

 

Um diesen Fragen zu begegnen, versuchten wir Menschen und ihre Arbeitsplätze kennen zu lernen. Wir verbrachten eine Woche in einem Batikstudio, wo wir mit einer Gruppe junger Frauen arbeiteten. In unserem zweiten Job, halfen wir in einem Familienbetrieb, einer Holzwerkstatt aus, und bauten gemeinsam einen Ankringan (Kioskwagen).

 

 

Ankringan sind sehr präsent im öffentlichen Raum in Yogyakarta. In einer Stadt, in der es primär repräsentativen öffentlichen Raum gibt, bilden sie temporäre Blasen in denen sich Menschen zu Snacks und süßem Tee treffen und austauschen.

Am Jagongan Archipel, dem Wagen den Das Archipel baute, gibt es nichts zu kaufen. Der Wagen bezieht sich auf die soziale Funktion eines Ankringan. Es ist ein Treffpunkt zum Austausch und Versuchsfeld gemeinsam anders zu Produzieren.

 

Wir zogen mit dem Jagongan Archipel an unterschiedliche Orte im öffentlichen Raum in der Stadt. Wir luden gezielt Gruppen ein – von den jungen Frauen aus dem Batikstudio, zu Organisatoren von Gewerkschaften und Streiks, hin zu Geldeintreibern und einer Gruppe die eine selbstorganisierte Schule betreibt – und luden PassantInnen ein um Gespräche zu führen. Wir sprachen über Arbeit, Widerstand, Zukunftsutopien und kollektive Werte und produzierten währenddessen Gegenstände die die Gespräche begleiteten, unterstützen, und versinnbildlichen sollten.

 

Wir hinterfragen die Art und Weise wie wir arbeiten, und stellten uns alternative Formen von gemeinschaftlichen Produktion vor. Wir versuchten Bilder zu kreieren die existierende Spuren einer alternativen Zukunft aufgreifen – einer Zukunft in der wir leben wollen.

 

 

 

Nuriye Tohermes und Finn Brüggemann sind Teil des Archipel Kollektivs. Sie arbeiteten von September bis Dezember 2017 im Rahmen einer künstlerischen Residenz im Cemeti Insitute for Art and Society in, Yogyakarta, Indonesien.